Behandlungskonzept

allgemein

 

Über die ambulante Früherkennungssprechstunde wird der erste Kontakt zur Fachklinik aufgebaut. Soweit wie möglich führe ich die Behandlung ambulant durch.
Der Schwerpunkt der stationären Behandlung liegt dann in krankengymnastischen Übungsbehandlungen, der Ergotherapie und Hilfsmittelversorgung.
Gleichzeitig optimieren wir die medikamentöse Einstellung. Auch eine Eltern- / Patientenschulung gehört zum Angebot sowie die Mitaufnahme einer Bezugsperson für Kinder unter 8 Jahren oder bei besonderer medizinischer Notwendigkeit.

Die Langzeitbetreuung rheumakranker Kinder, Jugendlicher und ihrer Familien erfolgt idealerweise in einem multiprofessionellen Team bestehend aus Kinderrheumatologen, Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Psychologen, Sozialarbeitern, in Kooperation mit anderen Fachärzten und dem Kinder-/ Hausarzt am Wohnort.

Ziel der Behandlung ist ein weitgehend schmerzfreier, normaler Bewegungsablauf sowie eine normale körperliche, geistige und seelische Entwicklung der Kinder und Jugendlichen durch:

  • Hemmung der überschießenden Tätigkeit des Immunsystems
  • Eindämmung der Entzündung
  • Erhalt der Gelenkfunktion
  • Erreichen und Erhaltung einer Remission
  • Verhütung von Rückfällen

 

Verhinderung oder Verminderung von:

  • Schmerzen
  • Fehlstellungen der Gelenke,
  • Gelenkversteifung,
  • Gelenkzerstörung
  •  Folgekrankheiten
  • Organschäden

 

Augenärzte

 

Kinder mit Entzündungen der Gelenke laufen Gefahr, auch eine Augenentzündung (Iridozyklitis/Uveitis) zu entwickeln. Gelenkentzündung und Augenentzündung verlaufen unabhängig voneinander, beruhen aber wohl auf einer gemeinsamen Ursache. Man unterscheidet zwei verschiedene Formen der Iridozyklitis:

Die akute Iridozyklitis zeigt ein rotes Auge, Tränenfluss, Schmerzen und Lichtempfindlichkeit. Dank dieser Symptome gehen die Kinder in der Regel umgehend zum Augenarzt. Anders bei der chronischen Iridozyklitis, sie verläuft subjektiv symptomlos und damit meist unbemerkt. Ein besonders hohes Risiko einer chronischen Iridozyklitis haben kleine Mädchen mit asymmetrischem Befall weniger Gelenke. Das Risiko erhöht sich, wenn antinukleäre Antikörper (ANA) im Blut nachgewiesen werden, beim Nachweis des genetischen Markers HLA-DR5 oder bei einem Mangel an Immunglobulin-A. Diese Kinder müssen besonders sorgfältig überwacht werden. Unerkannt und unbehandelt kann eine Iridozyklitis zur Erblindung führen.



Wichtig: Die Augen werden trotz einer heftigen Entzündung oft nicht rot. Die Kinder haben keine Schmerzen. Eine Sehminderung wird meist erst spät bemerkt.
Daher sind regelmäßige Untersuchungen beim Augenarzt zwingend notwendig. Die Behandlung der Iridozyklitis besteht in einer Lokaltherapie mit cortisonhaltigen Augentropfen, bei heftiger Reizung 6-8 mal/Tag. 1-2 Tropfen Cortison sollten auch dann gegeben werden, wenn das Auge wieder fast reizfrei ist, denn es gilt neue Schübe zu vermeiden. Manchmal ist diese Dauertherapie über Jahre notwendig, bis der Organismus sein "Entzündungsprogramm" wieder verlernt hat. Vorübergehend ist auch eine Erweiterung der Pupille notwendig. Sie sollten lernen, die Augen Ihres Kindes selbst zu untersuchen: Sie benötigen:
eine kleine Lupe (etwa 10 Dioptrien) eine Taschenlampe
Leuchten Sie abends mit der Taschenlampe auf die Augen, erst rechts, dann links, und prüfen Sie, ob die Pupillen sich verengen und wieder erweitern. Mit Hilfe der Lupe können Sie das Pupillenspiel genau beobachten. Bewegt sich die Pupille nicht, sieht sie nicht rund aus, sondern eher wie ein Kleeblatt, suchen Sie am nächsten Morgen sofort Ihren Augenarzt auf!
(PD Dr. F. Manthey, Bordesholm)

Alle Kinder mit JIA müssen regelmäßig augenärztlich untersucht werden. Wie oft, ist unterschiedlich und hängt von den beschriebenen Risikofaktoren ab. Fragen Sie Ihren behandelnden Kinderrheumatologen und Ihren Augenarzt!

Kieferorthopäden

 

Rheumakranke Kinder und Jugendliche sollten routinemäßig auf eine Beteiligung der Kiefergelenke untersucht werden. Erstaunlicherweise zeigt ein Großteil der Kinder und Jugendlichen mit Kiefergelenkbefall keine Schmerzen (ca. 40%). Auffällig ist zumeist eine eingeschränkte Mundöffnung (weniger als 35 mm, entspr. etwa 3 Querfingern). Dadurch werden das Sprechen, die Kaufunktion, aber auch die Mundhygiene behindert. Ein einseitiger Befall eines Kiefergelenks führt zur Asymmetrie beim Öffnen des Mundes. Der Befall des Kiefergelenks im frühen Kindesalter kann zu einer Störung des Unterkieferwachstums führen (Mikrognathie). Bei Befall der Kiefergelenke scheint sich, wie bei vielen anderen Gelenken ebenfalls, die intraartikuläre Einspritzung von Corticosteroiden und die Krankengymnastik zu bewähren.


Link zur UKE Poliklinik für Kieferorthopädie / Rheumasprechstunde

Krankengymnastik

 

Zur Unterstützung der medikamentösen Therapie und der Pflege ist die Krankengymnastik sehr wichtig. Sie zielt darauf ab, die Beweglichkeit von Gelenken und Muskeln wieder herzustellen bzw. Einschränkungen zu vermeiden. Massagen, Dehnungsübungen und körperliche Bewegungsübungen gehören zum KG Programm. Bewegungsbäder und das tägliche therapeutische Schwimmen in der Gruppe gehören ebenfalls dazu. Durch das einfühlsame, kindgerechte Vorgehen der Therapeuten gewinnen die Kinder schnell Vertrauen und haben meist sehr viel Spaß während der Übungszeiten.

Ergotherapeuten

 

Ergotherapie ist eine Bezeichnung für Arbeits- und Beschäftigungs-Therapie.

Es werden Informationen über Gelenkschutz und eine mögliche Hilfsmittelversorgung weitergegeben. Bei der funktionellen Behandlung stehen Hand- und Fingergelenke im Vordergrund. Um Fehlstellungen an den erkrankten Gelenken zu vermeiden, werden bei Bedarf Schienen angepasst, sie werden kindgerecht und bunt gestaltet. Ein wichtiges Ziel der Ergotherapie ist der Erhalt der Selbständigkeit.